Wie deutsche Büros KI wirklich nutzen — ein nüchterner Blick auf die Zahlen
Zwischen Hype und Skepsis hilft ein Blick auf belastbare Zahlen. Für Deutschland liefert die Architektenbefragung 2025 der Bundesarchitektenkammer die solideste Momentaufnahme: An der Erhebung nahmen über 15.600 Kammermitglieder teil, und das Ergebnis zur KI ist ernüchternd unaufgeregt. 29 Prozent nutzen KI-Werkzeuge im Arbeitsalltag. Das ist eine Minderheit — und zugleich mehr, als mancher Skeptiker vermutet hätte.
Aufschlussreicher als die Quote ist, wofür KI eingesetzt wird: nicht im kreativen Kern, sondern in den unspektakulären Aufgaben drumherum. Am häufigsten dient sie der Textarbeit — Protokolle, interne Dokumente, Außenkommunikation. Häufig werden rechtliche Fragen abgeklärt, breit genutzt wird die Visualisierung und das Rendering. Planungsnahe Anwendungen wie Simulationen, 3D-Modellierung oder Variantenoptimierung setzen dagegen bislang nur wenige ein. Die Kammer bringt es auf den Punkt: Erste Anwendungen dienen der Prozessoptimierung, während KI im gestalterischen Bereich bislang kaum eine Rolle spielt.
Wer KI nutzt, hängt stark von der Bürogröße ab. Große Büros mit mehr als 25 Mitarbeitenden setzen KI deutlich häufiger ein als kleine Praxen oder Einzelkämpfer — ein Muster, das sich durch fast alle Digitalisierungsfragen zieht. Die Befragung unterscheidet drei Nutzertypen: die sporadischen Nutzer als größte Gruppe, die KI gelegentlich für einzelne Aufgaben einsetzen; die prozess-integrierten Nutzer, die sie in Planungsabläufe für Visualisierung, Simulation oder Variantenstudien einbinden; und die optimierungsorientierten Nutzer, die KI breit für Dokumentation, Recherche und Projektorganisation verwenden.
Bemerkenswert ist die Kehrseite. 90 Prozent der KI-Nutzer stoßen auf Schwierigkeiten — fehlende verlässliche Datensätze, mangelnde Erfahrung mit der Technik, Kompatibilitätsprobleme, hohe Kosten. Und 77 Prozent aller Befragten wünschen sich KI-Weiterbildung. Das ist die eigentliche Botschaft hinter der 29-Prozent-Zahl: Der Bedarf ist da, die Souveränität im Umgang mit den Werkzeugen aber noch nicht. Eine zweite, international angelegte Bau-Umfrage — der Bluebeam Technology Outlook 2026 mit rund 150 deutschen Teilnehmenden — kommt mit 27 Prozent KI-Nutzung auf eine ähnliche Größenordnung und nennt regulatorische Unsicherheit als häufigste Bremse. Ein Viertel bis knapp ein Drittel ist damit doppelt belegt, auch wenn die Werte je nach Erhebung und Zielgruppe schwanken.
Über die Leistungskette betrachtet konzentriert sich der reale Nutzen heute an den Rändern des Kerngeschäfts: Recherche und Schriftverkehr quer durch alle Phasen, besonders in Organisation und Vergabe, Visualisierung im Entwurf, erste Simulationen in der frühen Planung. Die eigentliche Ausführungs- und Detailplanung sowie der gestalterische Entwurf bleiben bislang wenig berührt. Für kleine Büros bedeutet das keinen Rückstand, sondern einen klaren Einstiegspunkt: genau dort ansetzen, wo die Großen schon Zeit sparen — bei Texten, Recherche und Dokumentation —, und klein anfangen, wo der Nutzen sofort greifbar ist.
Unterm Strich zeichnen die Zahlen ein unaufgeregtes Bild. KI ist in deutschen Büros angekommen, aber als Assistenz für die Fleißarbeit, nicht als Ersatz für Planung oder Gestaltung. Wer den Hype hört und dann diese 29 Prozent sieht, sollte weder Rückstand noch Revolution ableiten, sondern den pragmatischen Weg gehen: dort automatisieren, wo es heute schon funktioniert, und in Weiterbildung investieren. Denn der größte Engpass ist nicht die Technik, sondern die Erfahrung im Umgang mit ihr. Wie sich das ins Gesamtbild fügt, ordnen wir in unserem Überblick ein; warum die Datenbasis der eigentliche Flaschenhals ist, im Beitrag zum Wissensmanagement.
Quellen: Bundesarchitektenkammer — Architektenbefragung 2025: KI, Teilzeit und Bürokratie · Internet für Architekten — BAK-Architektenbefragung 2025 (Teil 2): Künstliche Intelligenz · Deutsches Ingenieurblatt — KI-Nutzung wird im Planungs- und Bausektor zum Wettbewerbsfaktor (Bluebeam Technology Outlook 2026)